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Der Retter in der Not

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Passagierbrücke zum Flugzeug

Frankfurt – Was tun, wenn der Koffer zu schwer geworden ist? Bei langen Reisen oder wenn ein Umzug ansteht, reichen die von Fluggesellschaften normalerweise erlaubten 20 Kilogramm Gepäck häufig nicht aus. Jedes Gramm Übergepäck kann richtig ins Geld gehen. Der aus Burkina Faso stammende Labity Ouaba hat die Marktlücke entdeckt und ein erfolgreiches Geschäft daraus gemacht.

Es ist Samstag, kurz nach 13 Uhr am Frankfurter Flughafen. Verschiedene Schalter bilden einen Kreis mitten im Terminal 2. An einem steht ein Mann mit zwei Koffern. Er hat zu viel Gepäck dabei und ist in Eile: In wenigen Minuten fliegt seine Maschine nach Australien ab. Während der Kunde wartet, schaut der Inhaber des Transportgeschäfts Labity Ouaba in seinem Computer nach, ob alle Formalitäten erledigt sind. Alles muss schnell gehen.

Nach wenigen Minuten steht er auf und geht mit dem Kunden zur Sicherheitskontrolle. Der Sicherheitsmann wiegt den Koffer, Ouaba klebt ein Etikett darauf. Der Koffer wird nun in die Sicherheitsräume gebracht. „Meistens schützen wir das Gepäck mit Plastikfolien aber bei dem Koffer brauchen wir das nicht“, erläutert Ouaba.

Zurück am Schalter: Der Passagier unterschreibt ein paar Papiere. Ouaba legt sie in die Schubladen. „Ich habe für 22 Kilo Übergepäck 250 Euro bezahlt. Bei der Airline wäre es viel teurer gewesen“, sagt der Australier. Ouaba kümmert sich nun darum, dass die Fracht an den Bestimmungsort hinterher geschickt wird.

Je nach Airline und Abflugzeit kann der Australier seinen Koffer in drei bis vier Tagen am Zielflughafen abholen. „Viele Reisende stellen am Check-in-Schalter fest, dass sie Übergepäck haben und brauchen sofort eine Lösung“, erzählt der 50-Jährige Ladenbesitzer mit einem Lächeln.

Vor acht Jahren hat Ouaba sein Unternehmen Sologistics gegründet. In seinem Herkunftsland Burkina Faso hat er Volkswirtschaftslehre studiert und an der Universität Sorbonne in Paris und Nürnberg in Logistik promoviert. Bevor er sich selbstständig machte, sammelte Ouaba bereits mehrere Jahre Erfahrung in verschiedenen deutschen Unternehmen der Logistikbranche. Erst im Jahr 2004 gelang ihm der Sprung in die Selbstständigkeit: „Ich habe drei Jahre lang darüber nachgedacht, was ich machen kann, um auf eigenen Füßen zu stehen. Ich hatte viele Ideen, die ich unbedingt umsetzen wollte. Dann entdeckte ich diese Marktlücke“.

Der Unternehmer wusste, wie die Geschäfte in diesem Bereich funktionieren. Neben einem guten Businessplan benötigte er ausreichendes Startkapital und musste sich bei den Fluggesellschaften bekannt machen. Eine schwierige Phase für den jungen Unternehmer: „Ich habe allein drei Monate lang mit der Fraport verhandeln müssen, um einen Schalter zu bekommen. Es war nicht einfach, aber man muss an sich selbst glauben“, sagt Ouaba.

Deutschland profitiert von Einwanderern wie Ouaba. Unter Selbstständigen und Firmengründern ist ihr Anteil groß, wie der Gründungsmonitor der KfW Bankengruppe belegt. Allein von 1990 bis 2005 hat sich der Anteil der Selbstständigen in der ausländischen Bevölkerung von sechs auf 11,8 Prozent knapp verdoppelt. 2011 war der KfW-Studie zufolge jeder fünfte Gründer ein Migrant. Von insgesamt 870.000 Gründern in Deutschland waren 170.000 ausländischer Herkunft.

Gepäck auf Verhandlungsbasis

Ouabas Kunden können mit ihm über die Preise verhandeln. „Manchmal kommen Leute, die kein Geld haben. Dann müssen wir die Preise stark reduzieren“, erzählt der Inhaber des Transportgeschäfts. Manchen Fluggesellschaften ist die Firma von Ouaba daher ein Dorn im Auge. Andere haben aber erkannt, dass sie der Unternehmer von gestressten Passagieren entlastet.

Als Ouaba sein Unternehmen gründete, war er deutschlandweit einer der ersten mit dieser Geschäftsidee. Heute kämpft er gegen eine zunehmende Konkurrenz: Die Fluggesellschaften bieten ihren Passagieren an, mehr Gepäck als früher mitzunehmen. Außerdem sind die Preise für Übergepäck günstiger: Bei einer Airline wie Air France zahlen Reisende heute beispielsweise für 23 Kilo Übergepäck nur 150 Euro. Bei Sologistics hingegen würde es über 200 Euro kosten. „Das ist ein riesiger Schlag für uns. Aber wir können unsere Preise leider nicht noch weiter nach unten drücken“, sagt Ouaba mit traurigem Blick. Dann klingelt sein Telefon. Ein Kunde ruft aus Neuseeland an: „Wir arbeiten in einem Netz und unsere Partner sitzen überall auf der Welt.“ Mittlerweile ist er in den jeweiligen Partnerländern so bekannt, dass er auf gegebene Nachfragen schnell eingehen kann. Ouaba musste Mitarbeiter entlassen. Heute arbeiten nur noch vier Angestellte in Teilzeit für ihn. Als sein Geschäft noch boomte, besaß er zwei Schalter in verschiedenen Terminals. Um Geld zu sparen, musste er einen Schalter schließen.

Ein langer Arbeitstag: Eine Herausforderung

Es ist kurz vor acht Uhr abends. Ouaba sitzt noch am Schalter vor seinem Computer. Nebenan sind fast alle anderen Schalter geschlossen. Es sind nur noch wenige Reisende unterwegs. „Ich muss heute Abend noch Gepäckstücke in die Cargo-City-Süd transportieren“, sagt der Inhaber des Transportgeschäfts mit leiser Stimme. Er sieht müde aus.

Ortswechsel: kurz vor neun Uhr in der Cargo-City-Süd, circa zwei Kilometer entfernt vom Frankfurter Flughafen. Zwei Mitarbeiter helfen ihm beim Ausladen. Wenige Tage später wird es bei den Partnerairlines abgefertigt und zu den Zielflughäfen geliefert. „Hier bekommt das Gepäck einen eigenen Barcode – eine Garantie, dass nichts verloren geht“, erläutert der Chef. Für heute hat er es geschafft. Nun hat er Feierabend.

Ouaba selbst arbeitet mindestens 12 Stunden pro Tag. Dabei bleibt kaum Zeit für seine Frau und die drei Kinder: „Wenn ich abends nach Hause komme, schlafen meine Kinder schon. Es ist nicht leicht, aber ich nehme die Herausforderung einfach jeden Tag an und versuche für meine Kinder ein Vorbild zu sein“, räumt der junge Unternehmer ein. Er ist sieben Tage die Woche erreichbar. Trotz der Schwierigkeiten ist Ouaba stolz auf das, was er macht. Außerdem gehört er fest zum Frankfurter Flughafen dazu: „Hier kennt mich Jeder“.

von Salamata Saenger

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