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Ein Software-Baukasten auf Erfolgskurs

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Logo FORCAM GmbH, Foto: Anke Stärk

„Die transparente Fabrik“ – Ein Ziel, das jedes produzierende Unternehmen anstrebt. Transparenz schont Ressourcen, minimiert Fehler und spart Energie. Fertigungsbetriebe setzen deshalb auf sogenannte MES-Lösungen (kurz für Manufacturing Execution System). Im Jahr 2001 setzte die FORCAM GmbH aus Friedrichshafen einen neuen Standard in der Branche: Sie verlagerte die Software ins Netz. Mit der webbasierten Technologie ist  FORCAM seit 10 Jahren nunmehr auf Erfolgskurs.


Mit direktem Blick auf den Bodensee ragt im Friedrichshafener Stadtkern der Kompetenzpark SEE.STATT in die Höhe. Im zweiten Stock des Rundbaus arbeitet seit 2001 die FORCAM GmbH an ihrer Software Factory Framework. Die gelb gestrichenen Wände verleihen dem IT-Unternehmen eine freundliche Atmosphäre. Viele Bürotüren stehen offen und die zahlreichen Computerbildschirme vermitteln das typische Informatiker-Flair.

Aus KUMAtronik wird FORCAM

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SEE.STATT in Friedrichshafen, Foto: Anke Stärk

Im Jahr 2000 arbeitete das heutige FORCAM-Team noch in der nahegelegenen Stadt Markdorf als Abteilung der KUMAtronik GmbH. Nach Platzen der Internetblase entschied sich die KUMAtronik, die gesamte Industriesparte auszugliedern. Franz Eduard Gruber arbeitete zum damaligen Zeitpunkt beim IT-Riesen IBM und betreute die KUMAtronik GmbH. Durch die Änderung der Unternehmensstruktur sah Gruber seine Chance: Er übernahm das ganze Team und gründete die FORCAM GmbH. Seine Vision: Die Entwicklung einer Software, welche die Produktion webbasiert durch Echtzeit-Daten verbessert.

Heute hat das IT-Unternehmen weltweit rund 70 Mitarbeiter und Stützpunkte unter anderem in Frankreich, der USA und China. Mit über 50 Prozent hält Haupt-geschäftsführer Franz Eduard Gruber die Mehrheit der Geschäftsanteile. Der Rest verteilt sich auf die weiteren Geschäftsführer, die Mitarbeiter und SAP-Gründer Dietmar Hopp. Dieser beteiligte sich 2004 an dem noch jungen IT-Unternehmen.

Eine Software wie ein Baukasten

„Das Erfolgsrezept ist die Softwaretechnologie des Unternehmens“, erklärt Rolf Becker, Leiter Marketing und PR der FORCAM GmbH. Bei der Technologie namens Factory Framework handelt es sich um eine Software zur Steuerung der Fertigung. Dabei erfasst und verbindet das System Echtzeitdaten aus unterschiedlichen Maschinen-steuerungen. Die Signale liefern für jede Produktionsstufe webbasiert vergleichbare Betriebszustände. Der Mehrwert: „Unternehmen können die Leistung ihrer Maschinen und Anlagen in Echtzeit messen, Fehler und Verschwendungen schnell erkennen und  ihre Produktion kontinuierlich optimieren“, so Becker. Die Fabrik wird transparent.

„Grundsätzlich macht die Software von der Funktionalität in jedem Unternehmen Sinn. Kostentechnisch lohnt es sich jedoch erst ab einer bestimmten Fabrikgröße“, sagt Becker.  Minimum sind 100 bis 150 Mitarbeiter in der Produktion. Je größer das Unternehmen, desto schneller lohnt sich der Einsatz der Software. „Der Return on Investment liegt dann bei unter einem Jahr“, erklärt Becker.

Hop oder Top?

Heute ist der Einsatz einer webbasierten Software eine Art inoffizieller Industrie-Standard. Namenhafte Kunden wie AUDI, BMW, EADS oder Mann und Hummel setzen auf Factory Framework. Weltweit visualisiert die Software mehr als 50.000 Maschinen aller Branchen. „Unsere Technologie ist eine Art Baukastensystem, bestehend aus Grundmodulen wie der Maschinendatenerfassung und individuellen Modulen, je nach Kundenwunsch“, so Becker. Das Leitbild der FORCAM GmbH ist deshalb einfach erklärt: „Wir möchten unseren Kunden die optimale Steuerung der Produktion mit minimalen Fehlern ermöglichen“, so Becker.

Den Weg zum heutigen Erfolg hat vorallem ein Kunde geebnet: Als erster vertraute Daimler der FORCAM Lösung. „Das war eine Hop-oder-Top-Geschichte. Hätte das Projekt nicht geklappt, gäbe es FORCAM heute nicht“, so Becker. Der Kunstgriff: FORCAM verkaufte Daimler eine Software, welche lediglich in kleinen Teilen bestand und entwickelte sie mit Daimler als Partner zu einem kompletten MES-System. „FORCAM hat uns die Software auf den Leib geschneidert“, erklärt Christoph Kaminsky, Leiter des Center Presswerke in Sindelfingen, Bremen und Hamburg. Daimler setzte dabei auf eine Verzahnung von SAP und FORCAM. SAP auf der Planungsebene, FORCAM auf der Produktionsebene. „Heute werden bei Daimler rund 14.000 Maschinen mit der FORCAM Technologie überwacht und optimiert“, so Kaminsky.

„Mit Daimler haben wir bewiesen, dass unsere Software im großen Stil funktioniert“, so Becker. Der Softwaremarkt ist bisher sehr fragmentiert. „Es gibt keine Firma mit mehr als 15% Marktanteil in unserem Bereich“, so Becker. Direkte Wettbewerber sind dabei zum Teil große Unternehmen wie SAP, aber auch mittelständische Unternehmen wie  pdv-software oder  GEFASOFT.

Mit Factory Framework 5.0 in die Zukunft

Baukasten in Ein Software-Baukasten auf Erfolgskurs
Software-Baukasten, Foto: FORCAM

„Wir stecken seit einigen Jahren sehr viel Geld in die neue Technologie, um den Abstand zu unseren Wettbewerbern auszubauen, “ erklärt Becker. Der Umsatz im letzten Jahr lag bei knapp 8 Millionen Euro. Die neue Software Factory Framework 5.0 soll im Laufe des Jahres 2013 auf den Markt kommen. „Wir möchten unsere Software auf ein breites Fundament stellen, das die nächsten 10 bis 15 Jahre hält“, so Becker. Ziel ist es, viele verschiedene Bausteine anbieten zu können, um die Anzahl der Sonderprogrammierungen zu reduzieren. „Unser Baukasten wächst permanent und wird immer besser. Vollständig wird er nie sein, denn jeder Kunde hat andere Ansprüche“, sagt Becker.

Der Ausbau der Partnerschaften zählt ebenfalls zur Strategie für das kommende Jahr. „Wir können allein von unserer Firmengröße her nicht alles abdecken“, so Becker. In den Bereichen Vertrieb und Qualitätsmanagement arbeitet FORCAM bereits erfolgreich mit IBM, SAP oder TDMSystems zusammen. „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft: die Weiterentwicklung und den Verkauf von Software-Lizenzen. Für alles andere sind Partnerschaften sinnvoll“, erklärt Becker. Eine Strategie, die aufgehen könnte, denn bereits Henry Ford wusste: „Nicht mit Erfindungen, sondern mit Verbesserungen macht man Vermögen.“

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