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Bestellung per Smartphone: Web-App will künftig Wartezeiten in der Gastronomie verkürzen

von Kristina Kessler

Bestellung Smartphone Aufteller in Bestellung per Smartphone: Web-App will künftig Wartezeiten in der Gastronomie verkürzen

Einfach QR-Code mit dem Handy lesen und das gewünschte Produkte in der digitalen Speisekarte auswählen. (Quelle: Waitless)

Darüber hat sich wahrscheinlich jeder schon einmal geärgert: Man ist abends mit Freunden in der Kneipe unterwegs. Das Glas ist leer und man möchte gerne noch etwas Neues bestellen. Doch eine Bedienung ist weit und breit nicht in Sicht. Gerade in großen Gastronomiebetrieben passiert dies häufiger. Die Räumlichkeiten sind oft unübersichtlich. So verliert das Personal vor allem am Abend, wenn der Laden voll ist, schnell den Überblick. Das hat zur Folge, dass sich die Kunden über den schlechten Service ärgern. Für den Wirt und sein Lokal bedeutet das schlechte Werbung, zudem geht wichtiger Umsatz verloren.

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Bei diesem Problem möchte dem Wirt künftig eine neue Bestellsoftware namens Waitless unter die Arme greifen. Diese ist seit ein paar Wochen im Einsatz und ermöglicht es dem Gast direkt mit dem Smartphone zu bestellen. Dafür scannt er mit seinem Handy einen Code ein und kann damit direkt an der Bar oder Küche bestellen. Eine extra Bedienung ist nicht mehr notwendig. Diesen schnellen Service möchte auch das Unicafé Würzburg bieten. Es hat die neue Software als erster Gastronomiebetrieb eingeführt. Seit Mitte Oktober können die Gäste hier nun auch digital bestellen. Rund 700 Bestellungen sind seitdem über das neue System eingegangen. „Unsere Gäste haben durchwegs positiv auf diese neue Art zu bestellen reagiert“, zieht Geschäftsführer Paul Seitz ein erstes Resümee. „Wir sehen Waitless in erster Linie als Ergänzung zu unserem bereits sehr guten Service.“ Zudem wolle das Unicafé auch mit der Zeit gehen und seinem Publikum dieses neue Bestellformat bieten. Vor allem Neugier habe die Gäste in den letzten Wochen dazu bewegt, das neue Tool auszutesten. Dabei haben die User besonders die einfache Vorgehensweise gelobt.

Einfache Bedienung erhöht Akzeptanz

Lediglich ein Smartphone und einen Internetzugang benötigt der Gast für die Bestellung 2.0. Den Rest erledigen kleine gelbe Pappaufsteller auf den Tischen im Unicafé. „Keine Lust zu Warten?“ steht darauf. Darunter ist ein QR-Code abgebildet. Mit einem gängigen Barcode-Scanner lese ich den Code. Es erscheint eine interaktive Speisekarte auf dem Display. Gelöst ist dies durch eine Web-App, aufgebaut auf HTML 5. Das hat den Vorteil, dass ich mir die Software nicht auf mein Handy laden muss, sondern das Tool direkt im Netz nutzen kann. Ich kann die Technik also unabhängig vom Betriebssystem nutzen und sie funktioniert mit jedem gängigen Webbrowser. Mit dem „Absenden-Button“ schicke ich meine Getränke-Wahl – einen Cappuccino – via Internet direkt an die Bar. „Wir haben neben unserer Kasse einen Tabloid-PC installiert, auf dem die Bestellungen über Waitless auflaufen.“ Innerhalb weniger Sekunden erscheint dort mein bestellter Cappuccino. „Hat ein Mitarbeiter die Bestellung bearbeitet, kann er die Meldung als erledigt schließen“ erläutert mir Paul Seitz das Vorgehen. Später lassen sich alle Bestellungen, die über Waitless eingegangen sind, erneut aufrufen und auswerten. So liefert das System Statistiken, die etwa minutengenau nachvollziehen lassen, wann welche Umsätze mit dem Tool erzielt wurden.

Rund-um-Paket für Gastronom aus einer Hand

Für den Betrieb von Waitless benötigen Gastronomen lediglich einen WLAN-Zugang. Im Outdoor-Bereich lässt sich das sogar mit einer Prepaid-Karte realisieren. Ansonsten stellt der Anbieter die komplette Erst-Ausstattung zur Verfügung. In den 490 Euro Einmalkosten sind individualisierte Papp-Aufsteller, ein Tabloid-PC für die Dauer des Vertrags sowie die Software, abgestimmt auf die jeweilige Speisekarte und Tische, enthalten. Um die technischen Updates während der Vertragslaufzeit kümmert sich der Anbieter. Dafür erhält er vom Gastronom drei Prozent des mit Waitless erzielten Umsatzes. Änderungen in der Speisekarte und der Tischordnung kann der Gastronom genau wie bei einem Content-Management-System einfach selbst einpflegen. Sogar die Pappaufsteller mit neuem QR-Code lassen sich automatisch aus dem System generieren. Dabei erhält jeder Tisch seinen eigenen Code. Dies ermöglicht, dass sich die eingehende Bestellung den jeweiligen Tischen zuordnen lässt. Dass sich niemand mit Waitless einen Spaß erlaubt, haben die Entwickler ebenfalls bedacht: So muss der User die Lokalisierungs-Daten seines Handy freigeben. Dieser GPS-Schutz  gewährleistet, dass sich eine Bestellung nur in der jeweiligen Lokalität aufgeben lässt. Gespeichert werden die personenbezogenen Daten jedoch nicht. In den kommenden Wochen soll Waitless noch um ein paar Features erweitert werden. Ein Warenkorb beispielsweise soll künftig Sammelbestellungen ermöglichen und vermeiden, dass alle Artikel einzeln auf dem Tabloid-PC erscheinen. Auch eine Social-Media-Anbindung ist denkbar, was die Software vor allem für Marketing-Zwecke interessant macht.

Vor allem große Lokalitäten können profitieren

Lukrativ ist Waitless vor allem für Lokalitäten mit großen Laufwegen. „Dort können sich Bedienungen sicher manchen Leerweg sparen“, so die Einschätzung von Paul Seitz. Solche Restaurants haben eine reelle Chance, mit dem Einsatz der Software einen relevanten Mehr-Umsatz zu generieren. Im Sommer 2012 wird mit dem Stadtstrand Würzburg die flächenmäßig bisher größte Gastronomie einen Test mit Waitless wagen. Auch das Uni-Café will noch das Sommer-Geschäft abwarten, bis es die Bestell-Software abschließend für sich bewertet. „Ich kann mir vorstellen, dass sich unser Freisitz im Sommer positiv auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis auswirken wird.“ Dann wird sich zeigen, ob das Tool mehr als nur ein Gimmick ist.

Mit einer Funktion kann Waitless schon jetzt überzeugen: Auch bei meiner Bezahlung hilft mir die Web-App. Ich scanne den QR-Code meines Tischs  und klicke auf den Button  „Rechnung anfordern“. Die Meldung sende ich genauso via Internet auf den Tabloid-PC an der Bar. Keine zwei Minuten später ist die Bedienung an meinem Tisch, um mich abzukassieren. „Dies ist aus meiner Sicht der größte Vorteil von Waitless“, so Paul Seitz. „Die Bedienung spart sich definitiv einen Leerweg und der Tisch kann so schnell wieder freigegeben werden.“

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