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Brustkrebs-Screening: Mammasonographie bringt Sicherheit bei dichtem Brustgewebe

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Brustkrebsvorsorge: Ärzte fordern, dass das Brustkrebs-Screening um den Brust-Ultraschall ergänzt wird. (Quelle: Siemens Pressebild)

Mit dem bundesweiten Mammographie-Screening soll Brustkrebs bei deutschen Frauen frühzeitig erkannt und dadurch die Sterblichkeitsrate gesenkt werden. Doch Radiologen und Gynäkologen kritisieren die Vorsorgemaßnahme als unzureichend. Bei Frauen mit dichtem Brustgewebe sei die Mammographie schlicht das falsche Diagnoseverfahren. Nur wenn das Screening um die Sonographie ergänzt würde, könne eine größtmögliche Sicherheit für alle Frauen gewährleistet werden. Warum aber wird diese Maßnahme nicht standardmäßig eingesetzt?

Alle zwei Jahre erhalten Frauen zwischen 50 und 69 Jahren einen Brief, der sie einlädt, am bundesweiten Mammographie-Screening teilzunehmen. Die Idee dahinter: Wenn der Krebs durch eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung frühzeitig erkannt wird, kann das Leben vieler Frauen gerettet werden und die Krankenkassen sparen Geld bei der Folgebehandlung – eine Win-Win-Situation. Doch nicht alle Ärzte sind von dem Nutzen der Screening-Programme überzeugt.

Mammographie eignet sich nicht für alle Frauen

Fritz Schäfer ist Leiter des Bereiches für Mammadiagnostik und Intervention am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und befürwortet die Mammographie-Reihenuntersuchung nur mit Einschränkungen. Zwar sei das Screening der erste Ansatz in die richtige Richtung, aber noch lange nicht ein ausreichendes Angebot für alle Frauen. Denn je dichter das Drüsengewebe der Brust, umso niedriger sei auch die Erkennungsrate der Mammographie. „ Bei uns in Schleswig-Holstein haben etwa 50 Prozent aller Frauen dichtes Brustgewebe und damit ein vier- bis fünffach höheres Risiko an Brustkrebs zu erkranken“. Davon seien nicht nur junge Frauen betroffen, sondern auch viele der Frauen, die am Screening teilnehmen: „Gerade in städtischen Gebieten nehmen Frauen in der Menopause häufig Hormone ein und behalten dadurch ihr dichtes Brustgewebe“, sagt der Mediziner. Für diese Frauen sei die beim Screening durchgeführte Mammographie einfach nicht ausreichend.

Bei der Mammographie wird die Brust mit einem speziellen Röntgengerät aus zwei Richtungen von oben nach unten und schräg von der Mitte her zur Seite durchleuchtet. Während der Aufnahme wird die Brust zwischen dem Objekttisch und einer Plexiglasplatte zusammengedrückt, um mit einer möglichst geringen Strahlung aussagekräftige Aufnahmen zu erstellen. Bei älteren Frauen mit leerer Brust kann das Röntgenverfahren schnell und sicher Auskunft über mögliche Mammakarzinome liefern und auch kleinste, noch nicht entdifferenzierte Tumore abbilden. „Aber bei Frauen mit sehr dichtem Drüsengewebe liefern die Bilder keinen klaren Befund“, weiß auch Gabriele Schrappe, leitende Ärztin am Brustzentrum der Helios Kliniken in Krefeld. Schrappe empfiehlt in diesen Fällen eine zusätzliche Untersuchung mit der Mammasonographie, dem Brustultraschall. Das Problem dabei: Ist die zuvor durchgeführte Mammographie nicht verdächtig, zahlen die Krankenkassen keine weitere Untersuchung.

Studien bestätigen den Nutzen

Laut der Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die 2003 von den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ins Leben gerufen wurde, liegen die Gründe dafür in der unzureichenden Erkenntnislage. Ihrer Meinung nach sei der Nutzen einer zusätzlichen Ultraschalluntersuchung bislang noch nicht weitgehend belegt. Für Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises für Mammasonographie der DEGUM (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin), ist dieses Argument nicht nachvollziehbar: „Es gibt bereits sehr wichtige, ernstzunehmende nationale und internationale Studien, die den Nutzen der Mammasonographie bestätigen.“ Für eine 2008 publizierte Studie des American College of Radiology Imaging Network (ACRIN) wurden 2800 Frauen mit hoher Brustdichte im Durchschnittsalter von 55 Jahren untersucht. Dabei haben die Ärzte 40 Karzinome gefunden. Zwölf davon wurden nur durch eine Mammografie, zwölf nur durch Sonografie, acht durch eine Kombination aus beiden Untersuchungsmethoden und weitere acht zunächst überhaupt nicht diagnostiziert. „Das Ergebnis zeigt, dass man die besten Ergebnisse erzielt, wenn sich die verschiedenen Diagnoseverfahren ergänzen.“, so Degenhardt. Je nach Anwendungsfall müsse der Arzt zwischen einer Mammographie, Sonographie oder einer Kombination beider Verfahren entscheiden können.

Kombi-1-Kopie-614x227 in Brustkrebs-Screening: Mammasonographie bringt Sicherheit bei dichtem Brustgewebe Professor Degenhardt untersucht eine Patientin mit dichtem Brustgewebe, Ultraschallabbildung einer Brust (Quelle: Prof. Friedrich Degenhardt, Franziskus-Hospital Bielefeld)

Klarer Befund bei dichtem Gewebe

Der Vorteil bei der Ultraschalluntersuchung ist, dass sich die echoarmen Karzinome gut vom umgebenden Drüsengewebe abheben. Durch die unterschiedlichen Schallschwächungen kann der Arzt auch in einer dichten Brust gut zwischen Tumoren und Brustgewebe unterscheiden. Zudem ist das Verfahren für Patienten weder mit Schmerzen noch mit schädlichen Strahlungen verbunden. Doch es gibt auch Nachteile. Denn im Gegensatz zur Mammographie ist die Sonographie sehr zeitaufwändig und stark von den Fähigkeiten des Untersuchers abhängig.

Um diese Nachteile zu umgehen, hat Siemens Healthcare Ende 2007 einen Ultraschall-Brustscanner auf den Markt gebracht, der die Brust automatisch in 3-D abbildet. Derzeit sind zehn sogenannte Automated Breast Volume Scanner (ABVS) in Deutschland im Einsatz; bisher werden sie aber noch nicht für Routine-Untersuchungen eingesetzt. Bei der Untersuchung wird der Patientin ein kleiner Kunststoffkasten auf die Brust gesetzt, in dem der Schallkopf automatisch zwei- bis dreimal über die ganze Brust wandert. Die Software errechnet daraus anschließend das 3D-Volumen und überträgt es auf den Bildschirm des Arztes. „Mit dem ABVS dauert eine Untersuchung der Brust nur noch rund 15 Minuten und ist zu 100 Prozent reproduzierbar“, sagt Florian Gersbach, Pressesprecher von Siemens Healthcare. Dadurch könne die Untersuchung auch gut von geschultem Personal durchgeführt werden, während der Arzt sich auf die Diagnose konzentrieren kann.

Him200902016-02 300dpi-332x460 in Brustkrebs-Screening: Mammasonographie bringt Sicherheit bei dichtem Brustgewebe Automatischer Ultraschall-Brust-Scanner: Auch geschultes Personal kannUntersuchung durchführen (Quelle: Siemens-Pressebild)

Automatisches Brust-Scannen ist Technik der Zukunft

Friedrich Degenhardt arbeitet am Franziskus Hospital in Bielefeld seit einem Jahr mit dem ABVS und ist von der Technologie überzeugt: „Dieses Gerät, das das gesamte Volumen der Brust aufnehmen und von Schwestern bedient werden kann, muss in Zukunft gemeinsam mit der Mammographie in Screening-Zentren stehen.“ Dass es bis dahin aber noch lange dauern kann, ist dem Mediziner klar: „Die kassenärztliche Bundesvereinigung in Berlin weiß zwar um die Problematik beim Mammographie-Screening, aber ein Amtsapparat arbeitet nie so schnell wie eine freie Praxis.“

Degum-Kopie in Brustkrebs-Screening: Mammasonographie bringt Sicherheit bei dichtem Brustgewebe

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