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“Wir wissen zu wenig, um ins System einzugreifen”

Heiko Peath ist Klimatologe an der Würzburger Universität am Lehrstuhl für Physische Geographie. Er beschäftigt sich unter anderem mit Klimaänderungsforschung, globaler und regionaler Klimamodellierung und Klimafolgenforschung. Im Interview erklärt er, warum Klimaforscher nicht die Zukunft vorhersagen können und warum er die Manipulation der Atmosphäre ablehnt.

Technikjournalist.org: Wie sicher sind die Aussagen, die anhand eines Klimamodells getroffen werden?

Peath: Klimamodelle sind letztendlich Computerprogramme. Sie simulieren die Atmosphäre mit einer gewissen zeitlichen und örtlichen Auflösung. Das Problem dabei ist, dass wir nicht alle Prozesse kennen, vor allem bei den kleinskaligen Prozessen. Diese schätzen die Forscher aufgrund von Erfahrungswerten. Jedes Modell ist deshalb ein ungenaues Abbild der Realität. Anders ginge es auch gar nicht, denn das System Atmosphäre ist zu komplex, um es komplett zu berechnen. Um die Ungenauigkeit abzuschätzen, verwenden Wissenschaftler oft unterschiedliche Modelle und testen, wie gut sie bereits eingetretene Prozesse simulieren.

Technikjournalist.org: Hängt das Ergebnis einer Studie nicht wesentlich davon ab, welches Szenario gewählt wird?

Peath: Die Szenarien, die beispielsweise im Special Report des IPPC veröffentlicht wurden, sind ganz unterschiedlich. Und damit natürlich auch der Verlauf der Emissionen, der den Simulationen zu Grunde liegt – das stimmt. Es handelt sich dabei ja auch nicht um Vorhersagen, sondern um unterschiedliche Möglichkeiten, die eintreten können. Einige sind optimistisch, andere pessimistisch. Natürlich wäre es gut, wenn ein optimistisches Szenario eintreten würde. Aber die letzten zehn Jahre entsprechen eher den sehr pessimistischen Szenarien.

Technikjournalist.org: Was halten Sie vom Geo-Engineering mit Schwefel?

Peath: Als Klimatologe bin ich zwar nicht direkt Experte für Geo-Engineering, aber meiner Meinung nach wissen wir viel zu wenig, um auf diese Weise ins System einzugreifen. Es besteht dabei außerdem die Gefahr, dass die Ozonschicht abgebaut wird. Ohne Ozonschicht ist höheres Leben auf der Erde nicht möglich. Ich glaube nicht, dass jemand dieses Risiko eingehen will.

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