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Musterbanknote Yvonne aus dem Banknotensubstrat „Hybrid“ (Quelle: Giesecke & Devrient)

Giesecke & Devrient ist einer der wenigen privaten Banknotendrucker in Europa. Nach außen gibt sich das Unternehmen unauffällig und verschwiegen, unterliegen die Details der Produktion doch strenger Geheimhaltung. Der Blick hinter die Fassaden zeigt: Aus der Traditionsdruckerei ist ein Hightech-Unternehmen geworden.

„Das wären ungefähr 20.000 Euro“, sagt Georg Albach, Mitarbeiter bei Giesecke & Devrient (G&D) und zeigt einen Stapel Scheine, etwa sieben Zentimeter hoch. Er legt ihn in die Maschine, die von der Größe einer Küchenzeile ähnelt. Sie braucht nur wenige Sekunden, um diesen Betrag zu zählen und zu sortieren. 30 Scheine pro Sekunde saugt sie ein, lässt sie an Sensoren vorbei flitzen und sortiert sie dann zu jeweils einhundert Stück in verschiedene Fächer.

Einige landen ausgemustert auf einem Extrastapel. „Die sind fälschungsverdächtig“, erklärt Albach. Manchmal ist es nur ein Tesastreifen, der auf dem Schein klebt und die Sensoren stört. Manchmal sind es tatsächlich Fälschungen – 60.000 wurden nach Angaben der Bundesbank in Deutschland vergangenes Jahr aus dem Verkehr gezogen. Das scheint viel zu sein, aber gemessen an der Einwohnerzahl entfallen nur sieben falsche Scheine auf 10.000 Personen. „Mit der Kombination aus Sicherheitsmerkmalen im Druck und in der Papierherstellung machen wir den Fälschern das Leben schwer“, erklärt Pressesprecher von G&D, Heiko Witzke.

Das private Technologie-Unternehmen bietet verschiedene elektronische Bezahlsysteme an, einen großen Teil seines Umsatzes macht es jedoch mit Banknotendruck und Sicherheitspapier. Der Erfolg der Firma hängt zum großen Teil von der Forschung und Entwicklung ab.

Der ewige Kampf: Drucker gegen Fälscher

Fälscher sind für die Banknotenhersteller sozusagen der natürliche Feind. Sie zwingen die Firmen immer wieder neue Sicherheitsmerkmale zu entwickeln. „Wenn gute Fälschungen auftauchen, bekommen wir sie oft zur Analyse. So können wir sehen, wozu Fälscher fähig sind. Wir gehen in der Entwicklung dann genau in die andere Richtung“, erklärt ein Mitarbeiter der Tochterfirma Louisenthal.

Die Lebensdauer der Geldscheinserien hat sich durch die Fortschritte der Fälscher auf etwa zehn Jahre verkürzt. „Wir entwickeln jedes Jahr mindestens ein neues Sicherheitselement. Deswegen stecken wir viel Geld in die Forschung“, sagt Jürgen Zerbes, der bei G&D im Produktionsmanagement der Banknoten arbeitet. 93,7 Millionen Euro hat die Firma 2009 in Forschung und Entwicklung investiert, 5,6 Prozent des Umsatzes. Das Unternehmen verlässt sich auf seine interne Forschungsabteilung, denn eine Zusammenarbeit mit Doktoranten oder Forschungsinstituten, die ihre Ergebnisse publik machen müssen, kommt nicht in Frage. „Veröffentlichtes ist wertlos für uns“, erklärt Zerbes.

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Folienapplikation: Sicherheitsmerkmal auf vielen Banknoten (Quelle: Giesecke & Devrient)

Die Firma druckt Scheine nicht nur für Deutschland, sondern für etwa 60 Länder. Der Wirtschaftskrise trotzend machte das Familienunternehmen 2009 einen Umsatz, der nur knapp unter dem von 2008 lag. Auch der Gewinn sank nur leicht von 111 auf 104,5 Millionen. Die Zahl der Mitarbeiter nahm sogar etwas zu: Über 10.000 Menschen arbeiten inzwischen für das Unternehmen, davon fast 4000 in Deutschland.

Seinen Erfolg verdankt G&D nicht nur seinem Know-how, sondern beispielsweise auch dem Bevölkerungswachstum. Von der Inflation in einem Land profitieren die Banknotendrucker dagegen nicht „Die Zentralbanken ändern dann lediglich den Mix bei den Banknoten. So werden mehr 50er statt 20er in den Umlauf gebracht. Viel entscheidender ist, dass mehr Menschen auch mehr Bargeld benötigen“, erläutert Pressesprecher Witzke. Dass inzwischen weltweit häufiger Automaten, zum Beispiel für Fahrscheine, eingesetzt werden, erhöht die benötigte Bargeldmenge zusätzlich. Denn die Maschinen können nur mit sauberen, spricht relativ neuen, unbeschädigte Scheinen arbeiten. Deswegen müssen die Scheine öfter ausgetauscht werden. Eineinhalb bis zwei Jahre bleiben sie im Umlauf.

Von der Landkarten zum Hightech-Schein

G&D hatte 1852 als Druckerei für Landkarten in Leipzig begonnen. Vom Landkartendruck, der damals der kleinen Details wegen als besonders anspruchsvoll galt, war der nächste Schritt der Druck von Wertpapieren. Heute bietet das Unternehmen Banknotensysteme an. Das heißt, es stellt nicht nur Sicherheitspapier, bei Bedarf bedruckt, sondern auch Maschinen und Dienstleistungen für alle anderen Stationen im Lebenszyklus eines Geldscheins her. Am Ende landen die Scheine im „Schredder“, wie er intern genannt wird. Die wandschrankgroße Maschine häckselt, brikettiert und verbrennt die Noten.

„Moderne, sichere Scheine gibt es weltweit. Ob viele Fälschungen im Umlauf sind, hat auch damit zu tun, wie oft und mit wie viel Aufwand sortiert wird“, erklärt Mitarbeiter Zerbes. Würden die Scheine häufig sortiert, mit Maschinen, die auch die Echtheit prüfen, so sinke die Falschgeldquote. Die Sicherheit einer Währung sei daher eher eine Frage des gesamten Systems als des einzelnen Scheines, betont er.

Womit Banknotendrucker ihr Geld machen

Bis heute ist G&D ein Familienunternehmen. Laut Georg Albach, der im Banknote Processing arbeitet, einer der Gründe für den Erfolg der Firma. „Wir können langfristig investieren und müssen nicht jedes Quartal rechtfertigen, warum unsere Aktie nicht an Wert gewonnen hat“, erklärt er. Die große Stärke der Firma liegt vermutlich aber darin, dass sie nicht zögert, sich aktuellen Entwicklungen anzupassen. So produziert sie schon seit 1982 SIM-Karten und schreckte trotz Drucker-Tradition nicht vor Online-Bezahlsystemen zurück. „Bezahlen über das Handy wird der nächste Schritt“, kündigt Witzke an.

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Firmensitz von Giesecke & Devrient in München (Quelle: Giesecke & Devrient)

Mit Bargeld macht die Firma inzwischen nur noch gut die Hälfte des Umsatzes. Die andere Hälfte kommt zum größten Teil aus der Chipkarten-Produktion und damit verbundenen Prüfmaschinen und Dienstleistungen. Daneben stellt G&D IT-Sicherheits-Produkte und so genannte „Government Solutions“ her, zu denen zum Beispiel das elektronische Innenleben des neuen Personalausweises gehört.

Verdrängen würden die elektronischen Bezahlsysteme den klassischen Geldschein jedoch nicht, glaubt Albach: „Der Anteil der elektronisch getätigten Einkäufe steigt. Trotzdem nimmt die Zahl der Banknoten weiter zu, um vier Prozent im Jahr.“ Langfristig würden die verschiedenen Methoden sich ergänzen.

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