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Umsatzmotor Mobilfunk: bremst das mobile Internet den Marktrückgang?

Trotz eines insgesamt leicht rückläufigen Marktes konnten die Wettbewerber der Deutschen Telekom im vergangenen Jahr ihre Position stärken – zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Branchenverbandes VATM und der Duisburger Unternehmensberatung Dialog Consult. Dabei spielt der Mobilfunkmarkt, nicht zuletzt durch die mobile Internetnutzung, eine wichtige Rolle.

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Professor Gerpott, Autor der Marktsstudie - Quelle: VATM

Die am 07. Oktober diesen Jahres in Köln vorgestellte Studie beziffert den Gesamtumsatz des deutschen Telekommunikationsmarkts bei 61 Mrd. Euro. Das wäre gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 1,3 Prozent – damit ist der Umsatz auf dem TK-Markt seit 2005 zum fünften Mal in Folge rückläufig. Allerdings konnten auch dieses Jahr die alternativen Anbieter ihre Position gegenüber der Deutschen Telekom stärken und sowohl bei Mobilfunk- wie auch bei Festnetzangeboten leicht zulegen. Während die Zahl der Festnetzanschlüsse in Deutschland rückläufig ist (von 32,9 Mio. im Vorjahr auf 31,8 Mio. 2010) konnten die Wettbewerber der Telekom ihren Marktanteil auf geschätzte 21,7 (zuvor 20,4%) ausbauen. Dennoch ist die Telekom auch 14 Jahre nach ihrem Börsengang12 Jahre nach der Öffnung des deutschen Telekommunikationsmarkt der dominierende Anbieter von Festnetzanschlüssen.

Mobilfunk – mobiles Internet verdrängt das Handygespräch

Während die Festnetzdienste Nutzer verlieren, kann der Mobilfunkmarkt zulegen: die Kunden verbringen nicht nur mehr Zeit am Handy sondern nutzen auch verstärkt andere Angebote wie SMS oder mobiles Internet. Trotz stagnierender Nutzerzahlen können die Mobilfunkanbieter ihren Umsatz zum ersten Mal seit vier Jahren leicht steigern. Den Löwenanteil davon, etwa 60 %, erwirtschaften die Tochterunternehmen der Telekom sowie der britische Mobilfunkanbieter Vodafone. Dabei ist der Datendurchsatz mobiler Internetdienste wichtiger Antrieb: allein im letzten Jahr verdreifachte sich der Datenstrom an Smartphones, Netbooks und UMTS-Modems. Mittlerweile entfällt mehr als die Hälfte des Umsatzes auf sogenannte Non-Voice-Dienste. Dennoch sieht die Studie hier auch ein enormes Potential – immerhin wird der bei weitem größte Teil des Internetverkehrs, nämlich 98%, derzeit noch von Festnetzanschlüssen generiert.

 Internetanschlüsse – ist die Sättigung erreicht?

 Auch bei klassischen Internetanbietern wächst das übertragene Datenvolumen, wozu sicher nicht zuletzt der vermehrte Ausbau von Breitbandanschlüssen beiträgt. Professor Torsten Gerpott, der Autor der Studie, warnt hier jedoch vor übergroßer Euphorie: „dieser Markt nähert sich langsam der Sättigungsgrenze“, so Gerpott in Köln – zwar steige die Zahl der Breitbandkunden immer noch an, aber wesentlich langsamer als in den Vorjahren. Der sehr schnelle Internetanschluss mit Glasfaserleitungen bis ins Haus und Verbindungsgeschwindigkeiten von über 50 Mbits pro Sekunde bleibe mangels geeigneter Anschlüsse eine Nischentechnologie.  

„Kommunikationssektor ist Motor für die Gesamtwirtschaft“ 

Trotz dieser insgesamt durchwachsenen Marktaussichten investieren Telekommunikationsunternehmen auch in diesem Jahr erneut Milliarden in Sachanlagen. Dabei liegt das Investitionsvolumen der Alternativen Anbieter mit zusammen etwa 3,7 Milliarden Euro etwa eine Milliarde über dem der Telekom. VATM-Präsident Gert Eickers sieht auch in Zukunft die Bedeutung des Kommunikationssektors als „Motor für die Gesamtwirtschaft“ und betont die Wichtigkeit des freien Wettbewerbes. Noch 13 Jahre nach der vollständigen Liberalisierung der Telefonnetze entspräche der Umsatz der ehemaligen Staatsunternehmens etwa dem sämtlicher Konkurrenten. Zudem seien die alternativen Anbieter in vielen Fällen von Dienstleistungen der Telekom abhängig, was im vergangenen Jahr erneut das Eingreifen der Bundesnetzagentur nötig machte.

Mobiles Internet auch weiterhin Umsatztreiber

 War der Mobilfunkmarkt schon 2010 Umsatztreiber wird sich dessen Relevanz für die Branche nach Einschätzung Eickers mit der Einführung des LTE-Standards für mobiles Hochgeschwindigkeitsinternet nochmal verstärken. Dieser neue Mobilfunkstandard bietet erstmals über skalierbare Kanalbänder nahezu latenzfreien Datenaustausch mit Downlinkgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s. Derartige Geschwindigkeiten, bisher nur für Glasfaseranschlüsse denkbar, und die paketorientierte Datenübertragung machen LTE zu einem hervorragenden Standard für mobile Internetdienste. Allerdings erfolgt der Ausbau noch schleppend: nur die Telekom und Vodafon, ohnehin Platzhirsche auf dem Mobilfunkmarkt, betreiben bereits eine größere Anzahl von Sendern. Dazu kommen drei Sendestandorte in Süd- und Mitteldeutschland des Anbieters O2.

 Weiterführende Links:

 VATM Markstudie

LTE – neuer Standard für mobile Internetdienste

VATM

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