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Gemeinsam wären sie stark

“David gegen Goliath – die digitale Steinschleuder” – so der Titel des 4. Podiums auf dem 15. Mainzer Mediendisput. Hierzu diskutierten Blogger und Online-Journalisten über Sinn, Reichweite, Arbeitsweise und Finanzierung von Blogs in Deutschland. Gerade letzteres macht den Internetaktivisten Probleme.

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Die Deutsche Blogosphäre sieht sich als David gegen Staat, Verlage und Zeitungen (Quelle: piexelio.de)

Ein Waffenhersteller, ein Möbelhaus und nun die Diözese Regensburg: Stefan Eigner und sein Blog regensburg-digital.de haben schon viel Unmut auf sich gezogen. Musste sich Aigner beim Rüstungshersteller Diehl noch mit einem gerichtlichen Vergleich zufrieden geben, aus Geldmangel wie er sagt, bekam er im Falle der Einrichtungskette XXXLutz vom Regensburger Landgericht in allen Punkten Recht zugesprochen. “Das Verbreiten wahrer Tatsachen ist [...] grundsätzlich nicht rechtswidrig”, so der Richterspruch in der Urteilsbegründung. Der Prozess gegen die Diözese wird im Januar nächsten Jahres in Hamburg aufgenommen. Aigner hatte die Zahlungen der Erzdiözese Regensburg an Vergewaltigungsopfer und deren Familien “Schweigegeld” genannt, wogegen die Kirchenverwaltung vorgehen will.

“Radikal subjektive Lokalstorys”

Dass dies mehreren Bloggern so ergeht, bestätigte Hardy Prothmann. Unterlassungsklagen von einer Lokalredakteurin des Mannheimer Morgen un des Heddesheimer Bürgermeisters musste er wegen seiner Arbeit in seinem Städteblog heddesheimblog.de über sich ergehen lassen. Genauso wie Aigner kümmert sich Prothmann um Lokales. “Lokalstorys” nennt er seine Produkte, bei denen er, nach eigenen Aussagen, “radikal subjektiv” arbeitet. Prothmanns und Aigners Motiv zu ihrem journalistischem Engagement ähneln sich auch auffälig. Beide klagen sie über die, ihrer Meinung nach, einseitige Lokalpresse von Heddesheim, beziehungsweise Regensburg. Aigner kritisierte dabei, Regensburg unerliege einem Medienkonglomerat. Es gäbe nur einen starken Meinungsmacher in der Oberpfälzischen Bezirkshauptstadt. Prothmann startete seinen Blog aufgrund der Ansiedlung der Logistikgruppe Pfenning in Heddesheim. Die Berichterstattung der einzigen Lokalzeitung vor Ort, des Mannheimer Morgen, sei auffallend positiv und unkritisch gewesen. Er vermutete dahinter stecke ein Anzeigengeschäft zwischen Zeitung und Unternehmen. Nun sorgen beide Blogger in ihren Städten mit Lokalnachrichten online für Furore. Beide erreichen mit ihren kritischen Artikeln mehrere tausend Besucher. Die Prozesse dienten natürlich auch dem Eingenmarketing und sorgten für Aufmerksamkeit.

Unabhängig, mutig, unterfinanziert

Dennoch quälen die deutschen Blogger Finanzierungsschwierigkeiten. Ihre Mittel gegen gerichtliche Verfahren vorzugehen, sind dabei sehr gering, eigentlich zu gering: “Ich lebe nur unwesentlich über Hartz IV-Niveau, aber ich komme zurecht”, meinte Aigner zum Thema. Ein Slogan auf seinem Blog heißt vielsagend: “Unabhängig, mutig, unterfinanziert”. Die Arbeit auf regensburg-digital.de wird durch einen Förderverein und wenigen Anzeigen finanziell ermöglicht. Für seinen dritten Prozess gegen das Regensburger Bistum erfuhr Aigner unverhofft viel Unterstützung mit seinem Spendenaufruf auf seiner Seite. 10.000 Euro seien ihm so zugekommen, aus ganz Europa. “Das reicht erst einmal für anderthalb Instanzen”, so Aigner. Prothmann dagegen erzählte von einem neuen Finanzierungsmodell für seine nunmehr vier Städteblogs. Er habe “da etwas in der Hinterhand”. Bisher zieren Anzeigen seine Blogs, ein Sponsoringsystem soll hinzukommen.

Die Blogger sehen sich als David gegen Verlage und Zeitungen, genauso wie gegen die großen Gerichte. Die Frage, warum man sich nicht vernetze, um sich besser gegen diese zu verteidigen, war logischer Ausgang des Podiums. Peter Schink, als Blogger der ersten Studen vorgestellt, stellte fest: “Würde man sich zusammentung, wäre man nicht so leicht angreifbar.” Die Antwort, warum das bisher nicht geschehen ist, hatter er dabei selbst parat: “Die deutsche Blogosphäre ist von Eitelkeiten geprägt”, so seine Analyse. Prothmann hielt dagegen. Eine solche Organisation sei für das Jahr 2011 geplant. Mehr Details wollte er aber nicht preisgeben.

Der Mainzer Mediendisput wird seit 1996 alljährlich von der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz getragen. Medienpartner sind der SWR und das ZDF. Am Podium “David gegen Goliath – die digitale Steinschleuder” nahmen teil: Alfons Pieper, Peter Schink, Stefan Aigner, Hardy Prothmann und Christian Stöcker. Moderiert wurde das Streitgespräch von Thomas Mrazek.

Weiterführende Links:

Hardy Prothmanns Heddesheimblog

Stefan Aigners regensburg-digital.de

Prothmann Interview mit sueddeutsche.de

Mainzer Mediendisput

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