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Brose trotz Problemen durchweg optimistisch

Brose Konzernchef Jürgen Otto gab am Dienstag eine filmreife Vorstellung im Gartenpavillon des Juliusspitals. Er präsentierte den Besuchern des Medientreffs der Unterfränkischen Wirtschaft ein Unternehmen, das nur den Aufschwung kennt. Und verschwieg dabei einige Fakten.

Drei Milliarden Euro Umsatz möchte der Automobilzulieferer Brose in diesem Jahr erwirtschaften. Verglichen mit den Zahlen des Krisenjahrs 2009 wäre das ein Umsatzanstieg von 498 Millionen Euro. Und im Vergleich zu 2008, dem Jahr vor der Krise, immer noch 200 Millionen Euro.

Auch wenn Brose Chef Jürgen Otto gestern beteuerte, seine Firma verrichte gewiss kein Hexenwerk, wird Zauberei nötig sein, um die angepeilten 25 Prozent Umatzsteigerung zu verwirklichen.

Zum Vergleich: In den Top 100 der Zulieferer rangiert Brose auf Rang 44. Konkurrent ZF aus Stuttgart dagegen auf Rang drei. Hier backt man kleinere Brötchen. „Wir gehen von einer Steigerung des Umsatzes um 10 Prozent aus“, sagte ZF-Chef Hans-Georg Härter unlängst in einem Interview. Sicherlich ist das Ausgangsniveau hier höher, doch zimperlich erscheinen die Aussagen von Otto nicht gerade.

Kommt noch hinzu, dass ein Brose-Werk in Saarwellingen bis spätestens Januar 2011 schließen muss. Denn der Automobilhersteller Ford zog dort seinen Auftrag für Türsysteme zurück. Die Komponenten sollten in den Modellen C-Max, Focus und Kuga verbaut werden. Brose mangelt es nun an alternativen Aufträgen. 125 Mitarbeiter müssen sich deshalb nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Ford baut die Türsysteme künftig selbst.

Kein Trend zur Selbstherstellung von Komponenten befürchtet

Einen Trend, andere Automobilhersteller und Brosepartner könnten den gleichen Weg gehen und Komponenten künftig selbst herstellen, befürchtet Otto nicht. „Auch wenn die Zulieferer Branche mörderisch und Angst ein ganz natürlicher Bestandteil ist“, sagte er im Ton des erfahrenen Konzernchefs. Auf die Werksschließung in Saarwellingen ging Otto mit keinem Wort ein.

Stattdessen zeigte er einen Film. Dieser, mehrfach von Kritikern ausgezeichnet, präsentierte das Unternehmen als familiär, sauber, dynamisch, sozial engagiert und vor allem erfolgreich. Als die Vorführung nach fünf Minuten endete, herrschte Schweigen im Gartenpavillon des Juliusspitals. „An dieser Stelle war Applaus geplant“, sagte Otto. Begeisterter Beifall folgte den Worten des Konzernchefs. „Das klappt doch immer wieder“, schob Otto mit einem Lächeln hinterher.

Umsatzeinbruch 2009 – Motorensparte lohnt sich bisher nicht

Die Showeinlage kann jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es für Brose in den letzten Jahren nicht rund lief. Der Umsatz brach im vergangenen Jahr um 200 Millionen Euro ein. Die Anzahl der weltweit betriebenen Werke schrumpfte von 51 auf 47. Der 2008 getätigte Zukauf der Motorensparte von Conti hat sich bisher nicht bezahlt gemacht. Die Financial Times prophezeite dem Mechatronik-Hersteller kurz nach dem Zukauf ein Umsatzvolumen von 3,1 Milliarden Euro. Allerdings kam die Wirtschaftskrise dem fränkischen Konzern in die Quere. „Anfang 2009 verzeichneten wir einen Auftragsrückgang von 40 bis zu 50 Prozent“, erinnerte sich Otto. Und so blieb der Konzern rund 600 Millionen Euro hinter den Erwartungen zurück.

Doch nun macht sich der Mechatronik-Hersteller in eine verheißungsvollere Zukunft auf. „Die Zahlen gehen wieder stetig nach oben“, sagte Geschäftsführer Reinhard Kretschmer unlängst in einem Interview mit der Zeitschrift „Automobil-Industrie“. Auch Otto sieht das so. 80 Prozent des Umsatzes erwirtschafte der Konzern nach eigener Aussage mit Komponenten, die in Mittel- und Oberklassewagen verbaut würden.

Kein Trend zum Kleinwagen

„Wer will schon auf Dauer ein kleines Auto fahren“, kommentierte Otto. Der Konzernchef glaubt keineswegs an einen Trend zum Kleinwagen, da der Mensch, weder in Europa noch in China dauerhaft auf Komfort verzichten wolle. Otto gehe davon aus, dass die Anzahl der Mittel- und Oberklassewagen in der nächsten Zeit von 60 Millionen auf 80 Millionen ansteigen werde. „Und schon heute ist in jedem zweiten, nein in jedem dritten Wagen eine Komponente von Brose verbaut“, sagte der Konzernchef zum Abschluss der gestrigen Rede. Der Versprecher klang konstruiert.

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