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Schöne neue Brose-Welt

Von Sophie Zeune

Brose ist das fünfgrößte Familienunternehmen in der Automobil-Zulieferindustrie. Bei dem Hersteller für Fensterheber, Sitzverstellungen und Elektromotoren ist man stolz auf die lange Tradition. Doch wichtiger als die Vergangenheit ist die Zukunft – und da will man zu den Besten gehören. Jürgen Otto, Geschäftsführer der Brose-Gruppe, kämpft mit ungewöhnlichen Arbeitsmethoden für weniger Gemütlichkeit und mehr Innovation.

Medientreff-W 252 Rzburg in Schöne neue Brose-Welt

Jürgen Otto (2ter v.l.) beim Würzburger Medientreff (Foto: Brose)

Jürgen Otto ist auf dem Weg zum Medientreff der unterfränkischen Wirtschaft. Er kommt gerade von einem Geschäftstermin aus Turin. Um wertvolle Zeit zu sparen, wird er mit dem Firmen-Jet eingeflogen. Doch auf dem Rückweg vom Flughafen steht er im Stau – ärgerlich für den 45-jährigen Brose-Chef. Schließlich kämpft er bei seinen Mitarbeitern täglich für bessere Leistung und mehr Innovation in schnellerem Tempo. Durchschnitt und Bequemlichkeit haben bei dem Automobilzulieferer keine Chance: „Durch unsere deutschen Standorte müssen wir sehr viel effizienter arbeiten als andere“.

Als Jürgen Otto vor gut vier Jahren die Regie über das 1908 von Max Brose gegründete Familienunternehmen übernahm, wehte bald ein frischer, aber auch rauerer Wind. „Neue Brose Arbeitswelt“ lautet der offizielle Name für das geänderte Betriebsklima. Um Produktivität und Innovationskraft zu steigern, gibt Brose seinen Mitarbeitern ein neuartiges Arbeitsumfeld und ein Paket aus attraktiven Sozialleistungen. Dafür nimmt das Unternehmen seinen Mitarbeitern die vertraute Arbeitsatmosphäre und Sicherheit bei der Entlohnung. „Viel geben, viel nehmen“ könnte man es daher auch nennen.

Container statt Schreibtisch

Das erste, was man den Mitarbeiter gegeben hat, war ein Rollcontainer. Genommen hat man ihnen dafür ihren Schreibtisch. Desk-Sharing heißt das flexible Möblierungskonzept. Die Mitarbeiter haben keinen eigenen Arbeitsplatz mehr, sondern räumen nach Feierabend ihre Unterlagen in einen kleinen Container. Am nächsten Tag kommen Sie dann an einen anderen Schreibtisch ausgestattet mit PC, Telefon und Tischlampe. Dort können sie ihre Unterlagen wieder auspacken. „Im Schnitt sind 30-40 Prozent der Schreibtische in einem Unternehmen nicht besetzt, weil die Mitarbeiter aktuell nicht im Haus sind. Das können wir mit Desk-Sharing vermeiden.“, begründet Otto das System, „Doch noch größer als die Einsparungen von Raum, Stühlen und Schreibtischen ist der Effekt der Aufgeräumtheit.“

Tatsächlich sieht es in einem Brose-Werk auch nach Jahren noch aus wie am Tag der Eröffnung. Sterile Räume, jeder Arbeitsplatz sauber, aufgeräumt und ohne persönliche Gegenstände. Gegeben hat man den Mitarbeitern eine perfekt designte, mehrfach ausgezeichnete Büroarchitektur. Genommen hat man ihnen dafür ihr individuelles Umfeld. Von Shanghai bis Wuppertal erkennt man ein Brose-Werk von Weitem. Das silber-graue Firmengebäude, der Empfang, die Einrichtung der Konferenzräume, selbst die Arbeits- und Sportkleidung der Mitarbeiter sind einheitlich. Zahlreiche Standorte trumpfen zudem mit eigenen Fitness-Studios auf. Sauna, Dampfbad und Massagen gehören zum Mitarbeiter-Service wie Kantinen und Kita-Betreuung. Brose investiert viel in das Wohlbefinden seiner Beschäftigten. „Ich erwarte aber auch von meinen Mitarbeitern, dass etwas dabei rauskommt“.

Variable Arbeitszeiten, leistungsorientierte Bezahlung

Brose gibt seinen Mitarbeitern Freiheiten: flexible Arbeitszeiten, Selbstorganisation und Ideenwerkstätten zum Experimentieren. Die Beschäftigten arbeiten in Teams, interner Wettbewerb ist willkommen. Gerade in der Krise will das Unternehmen mehr Produktivität sehen. Anfang 2009 verbuchte Brose einen Auftragsrückgang von 50 Prozent, es gab genauso viele Schließungs- wie Arbeitstage. Das erfolgsverwöhnte Unternehmen reagierte auf die ungewohnte Situation mit erhöhtem Druck auf die Mitarbeiter. Trotz Teamarbeit sollen Individualisten stärker gefördert werden – auch beim Gehalt. Vergütet werden nicht allein die Stunden, sondern auch die Leistungen. „Top-Leute, die nur noch die Firma sehen, werden natürlich anders entlohnt, als zum Beispiel einer, der zuhause Familie hat.“

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