Elektromobilität: Sauberer Strom für Klimaschutz-Autos
Geschrieben von Sophie Zeune am 4/22/10 • Kategorisiert als Energie,Mobilität,erneuerbare Energien
Die Elektromobilität steht noch ganz am Anfang, dennoch sind die Erwartungen von Politik, Industrie und Bürgern groß: Im Klimawandel und bei steigenden Benzinpreisen sollen elektrische Antriebe Autos umweltfreundlich machen. Auf der Straße verursachen die Elektrofahrzeuge weder Feinstaub noch sonstige Emissionen. Aber sie brauchen Strom – und der kommt bekanntlich nicht schadstofffrei aus der Steckdose.

Elektroautos als Chance für den Klimaschutz? (Foto: RWE)
Deutschland lebt mobil. Im Schnitt legt jeder Bundesbürger im Jahr 12.600 Kilometer mit dem Auto zurück, mehr als jeder Zweite besitzt ein Fahrzeug. Die Folgen für die Umwelt sind dramatisch: Allein der PKW-Verkehr verursacht etwa 14% der gesamten CO2-Emmissionen. Bezieht man den gesamten Verkehrssektor ein, wächst der Wert auf fast 19%. Beinah täglich erscheinen Meldungen über Treibhausgase, Erderwärmung und dem nahenden Peak Oil, dem Höhepunkt der Öl-Förderleistung, bevor die Quellen langsam versiegen.
Das sind Entwicklungen, die den Status der Elektromobilität in der Umweltpolitik gestärkt haben. Obwohl derzeit nur gut 1.500 Elektroautos in Deutschland zugelassen sind und es noch immer keine deutschen Serienfahrzeuge gibt, sind die Ziele der Bundesregierung ambitioniert. Nach dem Willen von Bundesumweltminister Norbert Röttgen soll die Autoindustrie schon „bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos aus deutscher Produktion auf die Straße zu bringen.“
Die ökologischen Vorteile der Elektrofahrzeuge liegen auf der Hand: Dadurch, dass sie keine herkömmliche Verbrennungsmotoren verwenden, sind die Fahrzeuge weitgehend unabhängig von fossilen Treibstoffen. Die für die elektrischen Motoren nötige Energie stammt entweder aus einer Batterie oder von einem Generator, wie z.B. von einer Brennstoffzelle. „Beide Techniken haben das Potential mit null Emissionen zu fahren.“, erklärt Klaus Bonhoff, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW). Damit haben Elektrofahrzeuge das Potential, die deutschen Städte nicht nur von Lärm, sondern auch von Feinstaub und Schadstoffen zu befreien
Die Idee vom CO2-freie Fahren klingt gerade im Hinblick auf das vom Weltklimarat (IPCC) festgesetzte Klimaziel verlockend. Denn Experten haben berechnet, dass die globalen CO2-Emissionen um mindestens 80% gegenüber 2000 gesenkt werden müssen, um die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.
Auch der Verkehrssektor muss seinen Beitrag leisten.
In einer aktuellen Studie geht die Unternehmensberatung McKinsey davon aus, dass die Emissionen pro PKW sogar um bis zu 94% gegenüber 2005 verringert werden müssen, um dem Klimaziel bis 2050 gerecht zu werden. Allein mit einer weiteren Optimierung des Verbrennungsmotors sei das nicht mehr zu schaffen. Mindestens 70 Prozent der Fahrzeuge müssten elektrisch betrieben werden.
Ein elektrischer Antrieb allein bringt aber noch keinen Nutzen fürs Klima. Elektroautos sind nämlich nur so umweltfreundlich wie der Strom, mit dem sie geladen werden. Wird ein E-Auto mit Strom nach dem bisherigen Energiemix versorgt, kommt der PKW noch immer auf einen umgerechneten CO2-Ausstoß von 90 Gramm pro Kilometer. Zum Vergleich: Ein Auto mit sparsamen Diesel- oder Benzinmotor erreicht – unter Einberechnung des CO2s, das bei der Produktion des Treibstoffes in die in die Atmosphäre gelangt – einen Wert von circa 130g/km. „Bei Strom aus dem jetzigen Strom-Mix bleiben wir in der CO2-Bilanz in etwa da, wo wir heute auch schon sind.“ resümiert Bonhoff. Für ihn müsse daher das Ziel sein, den Strom für Elektroautos aus erneuerbaren Quellen zu beziehen.

(Grafik: Agentur für Erneuerbare Energien)
Folgen für den Energiemarkt
Deutsche Stromanbieter prüfen derzeit, inwiefern die Elektromobilität die Stromnachfrage auf absehbare Zeit verändern wird. Zwar sind sich die Energieerzeuger einig, dass die Produktion von ausreichend Strom kein Problem sei. Durch das Laden von Fahrzeugen entstehenden Lastspitzen könnten aber zu einer Herausforderung werden. Schwierigkeiten bereiten hierbei besonders die fluktuierenden Strommengen aus erneuerbaren Energien. „Schließlich weht der Wind meistens dann, wenn wir keinen Strom brauchen.“, so Joachim Wolf, geschäftsführender Inhaber des Beratungsunternehmens flow-advice, coached innovations. „Wenn wir die erneuerbare Energien nutzen wollen, müssen wir uns auch Gedanken darüber machen, wie wir die Ernte verkontinuierlichen können.“ Die Lösung liege in der Nutzung von Elektroautos als Stromspeicher.
Werden die Fahrzeuge in das Stromnetz integriert, kann überschüssiger Wind oder Solarstrom in den Autos zwischengespeichert und bei Bedarf ins Netz zurück gespeist werden. Die sogenannte Vehicle-to-Grid-Technologie basiert darauf, dass Fahrzeuge oft lange stehen und nur selten am Tag bewegt werden. Während dieser Stehzeiten könnten sie von den Energieproduzenten als Minispeicher genutzt werden.
Für die Realisierung von Vehicle-to-Grid benötigt es allerdings ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) und intelligente Zähler (Smart Meter), die den Stromfluss in beide Richtungen kontrollieren. Ralf Christian, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbands Energietechnik, mahnt jedoch zum Realismus: „Beim Ausbau der Netze ist ‚schnell’ nicht der gleiche Zeitraum wie in anderen Branchen. Angesichts der notwendigen Infrastrukturanpassungen kann es schon ein bis zwei Jahrzehnte dauern, bis das ganze Netz durch und durch intelligent ist.“
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