Suche

Technik begreifen – beschreiben – bewerten

Digitale Dividende: Alle zahlen – nur der Bund nimmt ein

Von dieser Dividende profitiert vorerst nur einer: der Bund. Mobilfunkunternehmen und Bürger dagegen werden zur Kasse gebeten. Für die Unternehmen könnte sich die Investition in ein paar Jahren auszahlen, während der Bürger ausschließlich zahlen darf.

Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur und der Bund reiben sich die Hände. Heute am 12. April versteigert die Bundesnetzagentur 359,2 Megahertz Bandbreite, die zukünftig für mobiles Internet genutzt werden sollen. Bis zu 8 Milliarden Euro Einnahmen erwarten die Staatskasse. Doch hier geht es angeblich nicht um die Sanierung der maroden Staatsfinanzen, sondern um eine bessere Breitbandanbindung für unterversorgte Regionen. Die weißen Flecken auf der Deutschlandkarte müssen weg.

1,35 Millionen Haushalte verfügen derzeit über einen unzureichend Leistungsfähigen Anschluss.
Rund 8 Milliarden Euro soll die Versteigerung der vakanten Frequenzen nach Meinung von Experten dem Bund bringen. Ein „Klacks“ wenn man die Zahl mit dem 50 Milliarden-Euro-Ergebnis der UMTS-Versteigerung von 2000 vergleicht.

6000 Euro für den Bürger?
Dennoch würde ein solcher Gewinn der Bundesregierung theoretisch rund 6000 Euro zur Verfügung stellen, die sie in den Ausbau eines einzigen Haushaltes investieren könnte. Doch halt, mit dem gemeinen Bürger hat der geplante Infrastrukturausbau nicht viel zu tun. Die Breitbandintiative versteckt sich gerne hinter Floskeln wie „Flächendeckender Breitbandzugang ist die Vorraussetzung für eine moderne Gesellschaft“. Ein näherer Blick auf die Website der Breitbandinitiative Bayern beispielsweise zeigt jedoch, dass „Fördermittel da helfen sollen, wo Marktmechanismen nicht greifen.“

Also muss sich der Nutzer seine Empfangsgeräte immer noch selbst kaufen und bekommt nichts von der Dividende. Bevor er profitiert, muss er Funkmikrophone und DVB-T Receiver ersetzen. Hier überlagern sich die versteigerten Frequenzen nämlich. Der Frequenz-Vertrag für Funkmikrophone läuft 2015 aus und soll nicht verlängert werden. DVBT soll in Zukunft DVBT 2 heißen und einfach auf andere Frequenzen verlagert werden. Gleiches gilt für das mobile Internet. O2 beispielsweise konzentriert sich auf eine Übertragung mittels LTE-Technologie. Bisher gibt es aber noch keine LTE-fähigen Endgeräte. Auf Nutzerseite bahnt sich also ein Deja-Vu an. Drei Jahre gingen nach der UMTS Versteigerung ins Land, bis die Mobilfunkanbieter UMTS-fähige Handys in ihr Produktportfolio aufnahmen, die der Nutzer für teures Geld erstehen durfte.

weiße Flecken verschwinden nicht
Ja mehr noch, die weißen Flecken auf der Landkarte werden nicht ganz verschwinden. Der vierstufige Netzausbau soll bis 2016 90 Prozent der Bundesrepublik erfasst haben. „Wir halten es natürlich für utopisch, dass das Breitbandnetz bis in die letzte Alm vordringen wird“, so Kurth am Donnerstag.  Kurth räumte auch ein, dass die Breitbandstrategie der Bundesrepublik nun gar nichts mit den Nutzungskonzepten der mitbietenden Mobilfunker gemein habe. Die vier Auktionäre hätten zwar Nutzungspläne vorlegen müssen, um an der Versteigerung teilzunehmen. Dabei sei klar festzuhalten, dass es hier nicht um Schritt für Schritt dargelegte Nutzungskonzepte ging.

Also haben die Mobilfunkunternehmen weder die Geräte, noch eine genaue Vorstellung, wie sie die versteigerten Frequenzen wirtschaftlich sinnvoll nutzen wollen. Vielleicht sollte der Bund die gewonnenen Gelder in eine Art Förderkonzept für Mobilfunker investieren. Dem Nutzer muss er nicht auf die Sprünge helfen, denn der weiß was ihn erwartet: Ausgaben.

Keine Tags zu diesem Beitrag.

Verwandte Artikel

Kommentare geschlossen.