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Die Utopie einer grünen Formel 1

Elektrischen Hochleistungsrennsport ohne Schadstoffemission wird es in nächster Zukunft nicht geben. Zu begrenzt bleibt die Reichweite und Leistungsfähigkeit batteriebetriebener Fahrzeuge. Bisher kommen in der Formel 1 deshalb allenfalls Hybridsysteme zum Einsatz. Dennoch füllt der Rennsport eine Vorreiterrolle aus.

Michael Schumacher wird auch nächster Zukunft in einem zu 90 aus fossiler Energie gespeisten Boliden dahinrasen. Der Ansatz, Rennwagen künftig mit elektrischen Batterien anzutreiben und so die Emission auf Null zu reduzieren, trägt im Hochleistungsrennsport keine Früchte. 1200 Liter Benzin verbraucht der Rennwagen des sechsmaligen Weltmeisters an einem Rennwochenende. Ein Rennsport, der sich voll im Einklang mit der Natur bewegt, also vollkommen grün daher kommt, bleibt unter dieser Voraussetzung eine Wunschvorstellung für Naturschützer und Politiker.

Elektrische Batterien zu schwach

Der Grund ist einfach: Elektrische Batterien bieten nicht genügend Leistung, um der Formel 1 Fangemeinde ein vergleichbares Rennerlebnis zu bescheren. Ja, die rein elektrische Lösung ist nichteinmal abzusehen. „Es wird nicht die eine Lösung für Elektromobilität geben“, sagte Klaus Bonhoff, Sprecher der Nationalen Organisation Wasserstoff – Brennstoffzellentechnologie. Batterien spielten zwar eine Rolle, dennoch würden längere Ladezeiten und begrenzte Reichweite weiterhin bestehen.

Die Kosten für eine Rennwagen Batterie wären enorm, ihr Gewicht würde die Prämisse der Schnelligkeit zunichte machen. „Eine Batterie, die 500 Kilometer Reichweite leisten kann, würde momentan rund 600 Kilogramm wiegen und für ein Nutzfahrzeug optimistisch geschätzt 50.000 Euro kosten“, sagte Werner Tillmetz vom Zentrum für Sonnenergie- und Wasserstoffforschung Baden Württemberg. Tillmetz sprach diese Zahlen im Zusammenhang mit Nutzfahrzeugen aus, die 60 bis 100 PS leisten. Zum Vergleich: Ein herkömmlicher Rennwagen sollte noch unter 600 Kilogramm wiegen und dabei 900 Pferdestärken leisten.

Gewicht der Batterie zu hoch

Das Gewicht der Batterie würde bei neun bis 15-facher Leistungsanforderung proportional steigen. Die 600 Kilogramm-Grenze wäre somit längst geknackt. Die Ladung würde durch den höheren Energieverbrauch gleichzeitig schneller abnehmen. Ein reines Elektrofahrzeug müsste bis zu 650 Kilowatt Leistung bringen und das über eine Dauer von rund zwei Stunden. „Hybridlösungen sind momentan das einzig tragfähige Modell“, ist sich Bonhoff deshalb sicher. Natürlich könnte der Fahrer den ein oder anderen Boxenstopp einlegen, doch hier würden Ladezeiten erheblich bremsen. Ein Nutzfahrzeug muss heute von 40 Minuten bis zu mehreren Stunden an die Aufladestation. Im Rennsport undenkbar. „Ein Austausch der Batterie würde hingegen nur ein paar Minuten in Anspruch nehmen“, räumt Tillmetz ein. Doch auch das ist untragbar, wenn es auf Schnelligkeit ankommt. Heute darf ein Boxenstopp nur wenige Sekunden dauern. Außerdem würde das Image des grünen Rennsports im Angesicht der Schadstoffhaltigen Abfallproduktion schnell Risse aufweisen. Denn die ausgetauschten Aggregate müssten irgendwo entsorgt werden. Batterien gehören seit Jahren zum Problemmüll.

KERS – Schritt in Richtung Emissionsfreien Rennsports

Dennoch geht die Formel 1 einen Schritt in Richtung eines emissionsfreien Rennsports: Seit zwei Jahren ist in der Formel 1 das Kinetic Energy Recovery System, kurz KERS erlaubt. Das System überträgt die Bremsenergie einer Achse in zwei Batterien. Der Fahrer darf so bei maximaler Ladung einmal pro Runde, für 6 Sekunden 80 PS, also rund 60 Kilowatt als Zusatzbeschleuniger einsetzen.

In Zukunft schweben dem Rennsportverband Energie Rückgewinnungssysteme aus Kühl- und Auspuffanlagen vor. Schritt für Schritt soll sich die Formel 1 so an einen grünen Rennsport herantasten. Andy Leitch, ehemaliger Chefentwickler des Formel 1 Teams Sauber, bremst die Euphorie etwas. „Es steht ausser Frage, dass wir durch KERS Energieverschwendung vermeiden, allerdings ist die Weiterentwicklung dieser Technologie sehr arbeitsintensiv“, sagte der Entwickler in einem Interview. Bis zum Jahr 2013 soll das KERS bereits eine Leistungsfähigkeit von 200 KW aufweisen. Damit könnten Boliden erstmals mit einem Viertel der vollen PS Zahl, gewonnen aus elektrischen Batterien, über die Rennstrecke bewegen. Das größte Problem bleibt allerdings immer noch die Reichweite. Selbst wenn sich die Leistungsdauer um ein Hundertfaches nach oben bewegt, könnten Fahrer 600 Sekunden, also 10 Minuten auf den Zusatzantrieb bauen. Und damit gerade einmal rund ein Zwölftel eines Formel 1 Rennens abdecken.

Rennsport Vorreiter in Technologieentwicklung


Trotz der monierten Unzulänglichkeiten kommt dem Rennsport in der Entwicklung ökologisch verträglicher Systeme eine Vorreiterrolle zu. Durch den Leistungs- und somit Entwicklungsdruck, der den Sport beherrscht, werden Innovationen schnell vorangetrieben. Nicht zu vergessen, dass das Teilnehmerfeld Werksteams von Toyota, Mercedes, Ford, Renault und anderen PKW Herstellern einschließt. Will heißen, der Motorsport entwickelt und testet Technologien, während sie die Automobilindustrie zur Marktreife bringt. Das geschah schon in den Fällen Gasturbine, elektronische Kupplung oder auch im Falle des Allradantriebs.

Und wer weiß – wenn Schuhmacher mit 60 noch einen Comebackversuch startet, sitzt er vielleicht in einem komplett elektrischen Formel 1 Wagen.

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