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Das Auto der Zukunft fährt mit Elektroantrieb

Toyota hat es vorgemacht: mit Hybriden lässt sich Geld verdienen. Nun ziehen die deutschen Autobauer nach. Auf das rein elektrisch betriebene Fahrzeug müssen die Kunden aber noch mindestens bis Ende nächsten Jahres warten. Erst dann sollen die Elektroautos ihre Kinderkrankheiten hinter sich haben und tauglich für den Massenmarkt sein. Neueinsteigern im Autobau bietet sich in dieser Situation vielleicht eine einmalige Gelegenheit.

Autos, die nur mit Strom fahren, ziehen ihre Energie entweder aus Brennstoffzellen oder Batterien. Die Elektroversion des Smart, der bei Daimler ab 2012 in großen Stückzahlen vom Band laufen soll, ist ein Beispiel für die Batterie-Variante. Mit einer Ladung kann man etwa 200 km weit fahren. Dann muss das Auto für circa sechs Stunden an die Steckdose. Alternativ gibt es extra Stromzapfanlagen. Diese schaffen einen Ladegang momentan in 40 Minuten. „Den Wert wollen wir bis zur Markteinführung auf 15 Minuten drücken“, sagt Dirk Hoffmann von Evonic, die in Kooperation mit Daimler die Batterie für den Smart entwickelt haben.

„Bei der Brennstoffzelle sind Reichweiten von 500 km durchaus realistisch“, erklärt Werner Tillmetz, Vorstand am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung. Dafür mangelt es aber an Wasserstoff-Tankstellen.

Viel Leistung kostet viel

Beide Technologien müssen außerdem selbst bei anziehendem Ölpreis noch sehr viel billiger werden, wenn sie mit dem Verbrennungsmotor konkurrieren sollen. In den Prototypen kostet allein der Antrieb der Elektroautos so viel wie ein Auto mit Verbrennungsmotor. Deshalb werden Elektroantriebe heute vor allem da eingesetzt, wo Preise keine große Rolle spielen oder nicht so viel Leistung benötigt wird. Die Brennstoffzelle findet sich zum Beispiel serienmäßig in einigen Wohnwagenmodellen als Stromquelle für Lampen, Fernseher und andere Elektrogeräte. Nachträglich aufzurüsten kostet etwa 2000 bis 5000 Euro.

Elektroautos heute: Stadtfahrzeuge, Flitzer und Geländewagen

Drei Elektroautos im Überblick
iOn Hersteller: Peugeot
Reichweite: 140 km
Max. Geschwindigkeit: 130 km/h
Voraussichtlicher Preis: 15.000 €
Tesla Roadster Hersteller: Tesla Motors
Reichweite: 380 km
Max.Geschwindigkeit: 200 km/h
Preis: 90.000 €
Luis 4U green Hersteller: Luis AG
Reichweite: 200 km
Max. Geschwindigkeit: 90 – 120 km/h
Preis: 39.900 €
I Miev Klein-614x377 in Das Auto der Zukunft fährt mit Elektroantrieb

Mitsubishi i-MiEV: reiner Elektroantrieb (Quelle: Mitsubishi)

In Kleinserien oder als Umbau gibt es Elektroautos schon jetzt zu kaufen. Peugeot und Mitsubishi beispielsweise haben in Japan und Großbritannien bereits 1500 Stück des Peugeot iOn, beziehungsweise des Schwestermodells i-MiEV verkauft. Im Oktober soll der iOn in Deutschland auf den Markt kommen, momentan stellen sich rund einhundert Fahrzeuge dem Praxistest bei „ausgewählten Kunden“. 15.000 Euro pro Stück soll das Stadtauto in der Massenfertigung kosten. Die Reichweite geben die Hersteller mit 140 km und die Maximalgeschwindigkeit mit 130 km/h an.

Einen anderen Ansatz verfolgt Tesla Motors. Der Sportwagen Tesla Roadster beschleunigt in 3,9 Sekunden auf 100km/h, hat eine Maximalgeschwindigkeit von 200 km/h (geregelt) und eine Reichweite von 380 km. Dafür kostet er auch 90.000 Euro. 50 Stück hat die US-Firma in Deutschland bis jetzt verkauft. „Die Kunden sind begeistert“, sagt Craig Davis, Verkaufschef für Europa. Der Kraftprotz läuft mit 6800 Batteriezellen, wie sie auch in Laptops verbaut werden.

Luis4Ugreen in Das Auto der Zukunft fährt mit Elektroantrieb

Luis 4U green: lautloser Geländewagen (Quelle: Luis AG)

Seit März gibt es den Luis 4U green von der Luis AG aus Ahrensburg in Schleswig-Holstein zu kaufen. Er lädt ultraschnell – in nur 20 Minuten – dafür fährt er  mit maximal 90 bis 120 km/h eher langsam. Immerhin 200 km weit kommt der Geländewagen auf diese Weise. Er ist im Vergleich zum Tesla-Modell recht günstig: Schon ab 39.900 Euro ist er zu haben.

Ab 2012 sollen die Elektroautos bei den meisten Herstellern in steigenden Stückzahlen vom Band laufen. Den großen Boom erwarten sie jedoch erst ab 2020. Für den Massenmarkt bleiben zunächst die Übergangsmodelle, die so genannten Hybridfahrzeuge, interessant. Bei diesen wird ein herkömmlicher Verbrennungsmotor mit einem elektrischen Antrieb kombiniert. Wie genau das aussieht, hängt vom Autobauer und vom Modell ab. Denkbar sind Fahrzeuge, die hauptsächlich vom Verbrennungsmotor angetrieben werden, aber durch einen Elektroantrieb unterstützt werden. Der Toyota Prius ist dafür ein Beispiel. Andere Hersteller, z. B. Opel, gewichten genau andersherum: In diesem Fall läuft das Auto durchgehend mit Elektromotor. Der Verbrennungsmotor springt nur für lange Strecken als Stromlieferant ein. Oder die beiden Systeme teilen sich die Verantwortung, so wie beim neuen BMW-Prototyp.

Toyota in der Vorreiterrolle beim Hybrid

Toyota Prius Klein in Das Auto der Zukunft fährt mit Elektroantrieb

Toyota Prius: Hybrid in der zweiten Generation (Quelle: Toyota)

Toyota hat auf dem Feld der Hybridtechnologie die Nase vorn. 2 Millionen Fahrzeuge des Modells Prius hat Unternehmen nach eigenen Angaben bereits verkauft. Das neuste Modell wird in den unteren 45 km/h von einem modernen Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Abhängig davon, wie stark beschleunigt werden soll, schaltet sich automatisch ein Benzinmotor zu. Bei höheren Geschwindigkeiten fährt das Auto mit Benzin. Es kann also sowohl allein mit Verbrennungsmotor, als auch mit Elektromotor laufen. Die Batterie lädt sich beim Bremsen wieder auf. Allerdings kommt der Prius, auch wenn man nicht schneller als 45 km/h fährt, allein mit dem Akku nur 1,5 km weit – Benzin im Tank ist da unerlässlich.

Deutsche Autobauer holen auf

Die deutschen Autobauer sind in Punkto Elektroauto etwas ins Hintertreffen geraten. „Die Hersteller haben mittlerweile erkannt, dass die Elektromobilität keine leichte Mutation im Verkehrswesen darstellt, sondern eine technische Revolution, an der sie mit Hochdruck arbeiten“, sagt Verkehrsminister Peter Ramsauer. BMW hat inzwischen zwei Hybride im Angebot: ActiveHybrid X6 und ActiveHybrid7. Anfang dieses Jahres präsentierte das Unternehmen den Prototyp des Concept Active E, der nur mit Elektroantrieb 160 km weite fahren kann.

Neulinge drängen auf den Markt

Der Trend zur Elektromobiliät bietet eine große Chance für Neueinsteiger, wie Tesla Motors. Rund um die Frage der Infrastruktur entstehen ebenfalls neue Firmen, zum Beispiel Project Better Place. Das Unternehmen wurde eigens für den Zweck gegründet, nachhaltigen Straßenverkehr möglich zu machen. Dafür sollen batteriebetriebene Elektroautos mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben werden. Die Batterien – so der Plan – sollen nicht zusammen mit dem Auto verkauft, sondern gegen Pfand verliehen werden.  An der Tankstelle wird die entladene Batterie gegen eine voll geladene ausgetauscht. Der Kunde erhält sein Auto zu einem vergünstigten Preis, dafür unterschreibt er einen mehrjährigen Vertrag für ein Tankstellen-Netz, ähnlich wie bei einem Handyvertrag. Better Place entwickelt mit Renault und Nissan passende Autos, deren Batterien automatisiert von einem Roboter gewechselt werden können. Testflotten laufen bereits. 2011 will Renault in Israel Elektroautos auf den Markt bringen, die mit den Better Place-Batterietauschern kompatibel sind.

„Welche Technik sich letztendlich durchsetzen wird, kann heute noch keiner sagen“, erklärt Hoffman. Auf lange Sicht werden sich wahrscheinlich mehrere alternative Antriebstechniken etablieren. „Die eine Lösung wird es nicht geben“, erklärt Elektromobilitätsexperte Klaus Bonhoff. „Welche Antriebsart die Kunden wählen, wird von ihrem persönlichen Profil abhängen.“

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