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Die Geschichte des Lorem ipsum

Mini-Letraset Lipsum-292x459 in Die Geschichte des Lorem ipsum

Lorem ipsum als Fülltext bei Letraset-Klebebuchstaben (Quelle: www.mynonurbanlife.com mit freundlicher Genehmigung von Carl Johnson)

“Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici …”
Das liest sich gut, wirkt wie gestochenes Latein und gibt doch keinen rechten Sinn.
Deshalb verwenden Schriftsetzer und Layouter gerne diesen Fülltext – und das angeblich schon seit 500 Jahren.

Lorem ipsum ist bei Schriftsetzern seit Jahrzehnten als Fülltext beliebt und hat auch den Sprung in das digitale Zeitalter geschafft: Der Text wird in verschiedenen Abwandlungen beim Aufbau von Internetseiten verwendet.
Mit dem Fülltext wird das Layout der Seiten entworfen, die Wörter dienen nur als Platzhalter. Dass der Text lateinisch anmutet und keinen rechten Sinn ergibt, ist dabei durchaus erwünscht: Der Grafiker soll nicht abgelenkt werden, wenn er die Struktur einer Seite entwirft.

Viele Programme zur Erstellung von Internetseiten bieten Lorem ipsum als Standard-Fülltext an. Oder sie bieten die Möglichkeit, eine neue Abwandlung des Textes zu erzeugen. Dabei werden lateinische Wörter mit neuen Wortschöpfungen oder einzelnen Wortsilben zufällig durchmischt.

Wenn man bei Suchmaschinen im Internet die beiden Wörter eingibt, stößt man auf viele Seiten, die noch im Aufbau sind. Oder auf Seiten, die inzwischen fertiggestellt sind, aber zu einem früheren Zeitpunkt Lorem ipsum verwendet haben: Bei Google und Co. wird ein Abbild des Internets gespeichert und dann durchsucht. Ansonsten könnte man in einer halben Sekunde auch nicht 1 Million Treffer anzeigen.

Lateinisches Original von Cicero

Bei Lorem ipsum handelt es sich aber nicht einfach um eine beliebige Kombination von lateinischen Wortsilben. Dem amerikanischen Latein- Professor Richard McClintock wird die Entdeckung zugeschrieben, dass der Text ein reales Vorbild hat.
McClintock verglich die lateinischen Begriffe mit Originaltexten und wurde bei Cicero fündig: Lorem ipsum stammt als Fragment aus „De finibus bonorum et malorum“ (Vom höchsten Gut und größten Übel) von Marcus Tullius Cicero.  Cicero beschreibt hier die philosophischen Strömungen der Antike, es geht um zentrale Fragen oder schlicht: den Sinn des Lebens. Der Text stammt aus dem Jahr 45 vor Christus.

Die Textpassage im lateinischen Original lautet:

[32] Sed ut perspiciatis, unde omnis iste natus error sit voluptatem accusantium doloremque laudantium, totam rem aperiam eaque ipsa, quae ab illo inventore veritatis et quasi architecto beatae vitae dicta sunt, explicabo. nemo enim ipsam voluptatem, quia voluptas sit, aspernatur aut odit aut fugit, sed quia consequuntur magni dolores eos, qui ratione voluptatem sequi nesciunt, neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit, sed quia …

Von wem und wann Lorem ipsum zum ersten Mal verwendet wurde, ist nicht belegt. In verschiedenen Quellen wird behauptet, dass zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein unbekannter Buchdrucker mit dem Text ein Musterbuch erstellt hat und der Fülltext daraufhin regelmäßig verwendet wurde. Damit hätte Lorem ipsum den Buchdruck quasi von Beginn an begleitet und 500 Jahre überstanden.

Der unbekannte Buchdrucker

Allerdings: Die Geschichte vom unbekannten Buchdrucker gründet sich wohl nur auf einer Aussage von Professor McClintock. Er gab gegenüber einem amerikanischen Journalisten an, dass er Lorem ipsum in einer Darstellung des mittelalterlichen Buchdrucks gesehen habe. Als er einige Jahre später nochmals darauf angesprochen wurde, konnte er sich leider nicht mehr an die Quelle erinnern.

Damit bleibt die Geschichte des Lorem ipsum eine Geschichte.
Vielleicht auch eine Geschichte über das Internet und seine Nutzer: Dass nämlich Inhalte ohne Beleg und ohne Rückfrage übernommen werden.
Und das über Sprach- und Landesgrenzen hinweg.

 
Weiterführende Links:

Lateinischer Originaltext: „De finibus Bonorum et malorum“, M. Tullius Cicero
http://www.thelatinlibrary.com/cic.html 

Erklärungen zu Lorem ipsum
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Blindtext.html

All the facts – Lorem ipsum
http://www.lipsum.com/

 The straight dope – Fighting ignorance since 1973
http://www.straightdope.com/

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