Neue Internetadressen: Meist kürzer, manchmal unverständlich
Von Eva Alvarez
Das bisherige Internetkürzel „.cn“ für China kann bald erstmals durch chinesische Zeichen ersetzt werden. Ab nächstem Jahr wird es Internet-Adressen mit chinesischen, hebräischen oder arabischen Schriftzeichen geben. Seit Beginn des Internets vor 40 Jahren ist das eine der größten Veränderungen.
Im Oktober 2009 hat die Internationale Internetverwaltung ICANN in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul beschlossen, dass es ab dem kommenden Jahr auch Internet-Adressen ohne lateinische Buchstaben geben soll. Anträge auf Registrierung neuer Adressen können ab November entgegengenommen werden.
Der ICANN-Vorsitzende, Peter Dengate Thrush, betonte, dies sei seit dem Start des Internets im Jahre 1969 eine der größten Veränderungen. Bisher sind Internet-Adressen auf lateinische Buchstaben von A bis Z begrenzt. Das neu entwickelte Transkriptionssystem wird alle Schriftzeichen aus den verschiedenen Sprachen in eine einheitlich organisierte IP-Adresse übersetzen.
In Ländern wie China und Indien wird das Internet immer wichtiger, aber auch im Iran oder in arabischen Staaten surfen immer mehr Menschen im Netz. Für sie wird diese neue Regelung eine große Veränderung bringen. Mehr als die Hälfte der weltweit derzeit 1,6 Milliarden Internetnutzer stammen aus Ländern, die keine lateinischen Schriftzeichen benutzten, sagte ICANN-Präsident Rod Beckstrom in Seoul.
Nach Angabe der Internet Corporation für Assigned Names and Numbers ist ICANN eine Organisation verschiedener Interessengruppierungen, die als privatrechtliche gemeinnützige Organisation eingetragen ist. Unter Einbeziehung von Regierungsbehörden, Unternehmen, Technikern und Nutzern entwickelt sie in einem Bottom-Up-Prozess die Koordinierung der Unique Identifiers im Internet. Der Einführung von internationalen Adressen seien jahrelange Arbeit und Forschung der ICANN vorausgegangen.
EU-Internetadressen auch mit Umlauten möglich
Internetadressen der EU sind auch mit Umlauten sowie kyrillischen und griechischen Schriftzeichen möglich. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte in Brüssel, dass es dann auch Adressen wie „www.würstchen.eu“ geben könne. Die Kommission nahm neue EU-Regeln an, nach denen Internetnutzer und Unternehmen bei Domänennamen mit der Endung “.eu” die Schriftzeichen aller 23 Amtssprachen der EU registrieren lassen können. Zurzeit gibt es etwa drei Millionen “.eu”-Adressen.
In Deutschland sind bereits seit 2004 bei der Endung „.de“ Umlaute möglich. Die “.eu”-Domänen werden von der gemeinnützigen Einrichtung EURid verwaltet. Die ersten Adressen in Kyrillisch, Japanisch oder Indisch sollen ab Mitte 2010 registriert werden. Dies gilt sowohl für die Adresse selbst als auch für die Zeichen nach dem Punkt wie „.de“ oder „.org“. Zum Beispiel könnte das bisherige Internetkürzel „.cn“ für China erstmals durch chinesische Schriftzeichen ersetzt werden.
Nicht alle Internetnutzer seien von dem neuen Modell überzeugt, meinte eine Frau aus Asien im Internet. Wenn man Schriftzeichen fremder Sprachen in der internationalen Kommunikation nutzen würde, könnten Ausländer es weder lesen noch verstehen. Dadurch könnten Kommunikationsprobleme entstehen.
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