Abbaubare Implantate für Knochenbruch-Behandlung
Geschrieben von Sophie Zeune am 11/24/09 • Kategorisiert als Querbeet
Von Sophie Zeune
Resorbierbare Materialien bei der Versorgung von Knochenbrüchen ersparen den Patienten einen Zweiteingriff, den Kliniken und Krankenkassen hohe Geldausgaben. Sich selbst auflösende Implantate können die bisherigen Metallplatten in vielen Fällen bereits ersetzen. Der Medizinherstellers KLS Martin bietet mit SonicWeld Rx eine marktfähige Lösung für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
SonicWeld soll Kliniker von resorbierbaren Materialien in der Gesichtschirurgie überzeugen (Quelle: KLS Martin Group)
Patienten, Ärzte, Krankenhäuser und Kassen müssen sparen. Die Studienreihe „Das Einsparpotenzial innovativer Medizintechnik im Gesundheitswesen“ aus dem Jahr 2008 zeigt, dass es sich trotzdem lohnt, in Medizintechnik zu investieren. Über 30 Produkte und Leistungen, die zu Einsparungen im Gesundheitswesen führen sollen, wurden von den Industrieverbänden Spectaris und ZVEI unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse der Studie können online eingesehen werden. Ein gutes Beispiel: SonicWeld Rx des Medizinherstellers KLS Martin aus Tuttlingen.
SonicWeld Rx ist ein Verfahren, mit dem Frakturen im Schädelbereich und Mittelgesicht versorgt werden können. Das Besondere ist, dass die eingesetzten Implantate aus resorbierbaren Materialen bestehen, die sich im Körper selbst abbauen. Die Behandlung funktioniert so: Ein Ultraschallgenerator erwärmt den Pin an der Oberfläche und sorgt so für ein Eingleiten des Pins in bereits vorgebohrte Löcher im Knochen. Der verflüssigte Pin dringt sogar in die knöchernen Hohlräume vor, die von einer gewöhnlichen Schraube nicht erreicht werden können. Wie Produktmanager Martin Gienger erklärt, hat sich die KLS Martin Group die Anwendung dieser Technologie für die Mund-Kiefer- Gesichtschirurgie und deren angrenzende Verfahren patentrechtlich schützen lassen. „Somit ist die Firma alleiniger Anbieter und Marktführer.“, sagt Gienger.
Die Studie zeigt exemplarisch, wie mit biologisch abbaubaren Implantaten gespart werden kann. Der Beispiel-Patient ist 35 Jahre und hat ein Mittelgesichtstrauma hervorgerufen durch einen Verkehrsunfall. Nach Berechnungen der Studie können bei der Behandlung des Patienten mit SonicWeld Rx 1.480 Euro im Vergleich zur Titanversorgung eingespart werden. Hochgerechnet auf die knapp 30.000 Fälle könnten damit in Deutschland jedes Jahr Kosten von rund 22 Mio. Euro vermieden werden. Um auf diese Summe zu kommen, müsste das Verfahren aber bei der Hälfte aller möglichen Fälle angewendet werde. „Fehlende Informationen, die Macht der Gewohnheit und die Bezuschussung der Metallentfernung durch die öffentliche Hand lassen die Einsatzquote noch weit darunter fallen“, sagt Gienger. Tatsächlich liegt die Einsatzquote in Deutschland nach Schätzungen des Herstellers derzeit gerade mal bei zehn bis 15 Prozent.
Kürzere OP-Zeiten, weniger Komplikationen, kein Zweiteingriff
Um mehr Ärzte von dem System zu überzeugen, wirbt der Hersteller mit kürzeren OP-Zeiten und weniger Komplikationen beim Eingriff.
Bisher haben Gesichtschirurgen komplizierte Brüche meist mit Titanplatten behandelt. Titan ist ein Material, das sich durch günstige mechanische Eigenschaften und eine hohe biologische Verträglichkeit auszeichnet. Trotzdem werden die Platten in einer Zweitoperation wieder aus dem Körper entfernt. Das bedeutet nicht nur ein zusätzliches Risiko für den Patienten, sondern auch eine finanzielle Belastung für Krankenhäuser und Kassen.
Forscher suchten daher schon seit längerer Zeit nach abbaubaren Materialien, die zur Frakturheilung in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie eingesetzt werden können. Sie stellten als wichtigste Anforderungen an das Material
- die ausreichende Stabilität für eine ungestörte Heilung,
- die vollständige Abbaubarkeit nach der Frakturheilung,
- keine Schädigungen des umgebenden Gewebes und natürlich die
- klinische Umsetzbarkeit.
Zehn Jahre brauchte der Hersteller für die Entwicklung von „SonicWelding“ und dem resorbierbarem Basismaterial. Das Material ist ein amorphes PDLLA. Dabei handelt es sich um Milchsäuremolekularketten, die im menschlichen Organismus auch schon vor der Operation vorkommen. Beim Abbau lagert PDLLA das Wasser der umströmenden Körperflüssigkeiten ein. Dieses Wasser bewirkt die Abspaltung der Molekularketten in immer einfachere Strukturen und am Ende deren Umwandlung in die unbedenklichen Reststoffe CO2 und Wasser.
Chirurgen sind zum Teil noch skeptisch
Gienger erklärt, dass die KLS Martin Group mit dem Markterfolg von SonicWeld Rx bislang sehr zufrieden sei. Nach Angaben der Studie sind die Kliniker aber zum Teil noch skeptisch. Kritiker führen die höheren Kosten der resorbierbaren Erstversorgung und Vorbehalte der Kliniker gegen abbaubare Implantatsysteme ins Feld . “”Für die Behandlung ist es ungünstig, dass Materialien wie PDLLA im Röntgenbild nicht sichtbar sind. Wenn die genaue Lage der Pins in der Röntgekontrollaufnahme nicht erkennbar ist, fehlen wichtige Kenntnisse über den Behandlungsfortschritt”, erklärt Caspar Käding, MKG-Chirurg der Poliklinik Würzburg.
Anwendung von SonicWeld (Quelle: KLS Martin Group)
Tags:Medizintechnik, Osteosynthese, Resorbierbare ImplantateVerwandte Artikel
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